Vorwort zum Blog
Mit diesem Blog schreibe ich gelegentlich Kommentare, zum Beispiel zu aktuellen Geschehnissen. Ich habe neben der buddhistischen eine “politische” Seite. Während des Studiums war ich etwa länger bei den Hochschul-Grünen aktiv, habe mich aber letztlich wegen Religionsfeindlichkeit in der Gruppe von ihr verabschiedet. Mein Vater war Geschäftsmann und Politiker.
Trotzdem wird es in diesem Blog selbstverständlich auch um buddhistische Themen wie auf der Website gehen. Die Kommentare des Blogs sind manchmal deutlich aus buddhistischer Warte geschrieben und manchmal nicht, zumindest nicht aus konventionell buddhistischer Warte.
Bei Interesse können Sie hier auch selbst einen Kommentar zu meinen Aussagen oder unabhängig davon etwas zu dem erörterten Thema schreiben (vgl. den Abschnitt unten “Kommentare von Besuchern”).
Ich verstehe den Blog nicht als eine Diskussions- oder Debattenseite. Ein Blog ist kein Forum für Debatte, sondern eine positiv anregende Meinungs- bzw. Kommentarseite. Wenn meine Kommentare andere zu ihren Reflexionen zu einem Thema inspirieren können oder umgekehrt, ist der ganze Zweck des Blogs erfüllt; nämlich eine Plattform für Selbstdenken zu sein. Diese Plattform soll andere zum Selbstdenken und zu innerer Praxis inspirieren.
“Selbstdenken” (ein Begriff Arthur Schopenhauers) führt zu einer Praxis, die innerlich befreit.
Mit buddhistischen Ausdrücken:
Die “Weisheit durch eigenes Nachdenken” bedingt die “Weisheit durch Aufnehmen” (Hören, Lesen), die wiederum die “Weisheit durch praktische Kultivierung” höherer Qualitäten von Herz wie Geist bedingt (1). Gemäß der Praxislehre des historischen Buddha, wie sie mit den Redensammlungen des Pali-Kanons überliefert ist, bildet der prüfende Geist also die Grundvoraussetzung für alle weiter gehenden Formen von Weisheit.
Ich lade herzlich zu Betrachtungen ein.
Mit guten Wünschen im Dharma
Hans Gruber
Anmerkungen:
(1) Vgl. zu dieser Abfolge der so genannten “Drei Weisheiten” etwa die “Längere Sammlung” der Reden des Buddha, Rede 33. Nähere Informationen zu einer guten Übersetzung dieser Redensammlung, einer der fünf Sammlungen des Pali-Kanons, und weitere Tipps stehen hier auf der Website.
Im späteren Buddhismus ist die Abfolge der Drei Weisheiten umgestellt worden, eine kaum bekannte Tatsache. Ich halte diese Umstellung aber für einen, wenn nicht den zentralen Unterschied zwischen dem frühen und verschiedenen Formen des späteren Buddhismus. Im tibetischen Buddhismus zum Beispiel steht an erster Stelle die “Weisheit durch Aufnehmen” (Hören, Lesen). Denn in dieser Tradition gilt die “Hingabe an den Guru” als die Grundvoraussetzung für alle weiter gehenden Formen von Weisheit. Dort wird das kritische Denken also jener Hingabe untergeordnet.
Im frühen Buddhismus hat der Lehrer die Funktion eines so genannten beratenden “spirituellen Freundes” (kalyâna mitta). Im Vordergrund stehen hier Selbstverantwortung und unabhängiges, prüfendes Denken. Dies geht aus vielen Reden der alten Sammlungen hervor, etwa dem zentralen Kalama Sutta der Angereihten Sammlung, 3.65 (eine gute englische Übersetzung steht hier).
Mit dieser letzteren Rede werden die damals wie heute üblichen orientierenden Instanzen, vor allem vermeintlich geoffenbarte “heilige Schriften”, die Wahrheitsansprüche von Meistern oder die landläufige, etablierte Meinung relativiert und stattdessen die eigenständige, kritische Prüfung, was heilsam und was unheilsam sei, betont.
Der historische Buddha hat gemäß den alten Reden sehr weitgehende Vorschläge gemacht, was die kritische Prüfung eines spirituellen Lehrers oder von Ansprüchen eines Lehrers auf Erwachen angeht. Das bekannteste Beispiel für solche Vorschläge ist das Vîmamsaka Sutta der Mittleren Sammlung, 47 (eine gute englische Übersetzung erscheint hier).
Kommentare von Besuchern:
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